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Wort zum Sonntag für den 19. Juli 2020

Wort zum Sonntag für den 19. Juli 2020
Wort zum Sonntag für den 19. Juli 2020

„Was soll ich dir tun?“

Wenn Jesus Menschen begegnet, geschieht dies mit Wertschätzung, und zwar unabhängig davon, was für einen sozialen Stand jemand hat, ob er krank oder auf irgendeine Weise gesellschaftlich ausgegrenzt wird. So erzählt etwa das Markusevangelium (10,46-52) von der Heilung eines blinden Bettlers: Bartimäus sitzt an der Straße und bekommt mit, dass Jesus da ist. Da ruft er nach ihm, wird aber von anderen zurechtgewiesen. Bartimäus lässt sich nicht entmutigen und ruft noch lauter als zuvor und Jesus ruft ihn zu sich. Der kurze Dialog der jetzt folgt, ist ein wunderbares Beispiel für Jesu besondere Art, mit Menschen umzugehen. Jesus fragt den blinden Bettler: „Was soll ich dir tun?“ Manch einer wundert sich über diese Frage, denn es ist doch offensichtlich, dass der Blinde sein Augenlicht wieder haben möchte. Und doch fragt ihn Jesus, weil er den Betroffenen selbst für sich sprechen lassen möchte. Ja, Bartimäus möchte wieder sehen können, und Jesus antwortet ihm: „Geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“

Bei meiner Arbeit in der Psychiatrie komme auch ich manchmal in Versuchung, im Gespräch mit Patient*innen scheinbar zu wissen, was für ihn oder sie das Beste wäre, was helfen könnte, welche Wege gangbar sein könnten. Und doch zeigt sich m.E. ein wertschätzender Umgang miteinander gerade auch darin, den anderen mit seinen eigenen Vorstellungen für sein Leben und seinen Genesungsprozess Ernst zu nehmen, auch wenn es manchmal nicht leicht ist, das auszuhalten.

Das Phänomen, zu wissen, was für den anderen „das Beste“ ist, ohne ihn überhaupt selbst zu fragen, ist auch außerhalb der Psychiatrie verbreitet. Ihm wohnt eine gewisse Tragik inne, denn oft ist der „Besserwissende“ voller Wohlwollen und Anteilnahme, gewillt, dem anderen wirklich zu helfen. Und doch empfinde ich die Haltung Jesu als die angemessenere.

„Was soll ich dir tun?“ - Fragen wir einander doch einfach, was wir füreinander tun können und welche Hoffnung in unseren Herzen wohnt!

Maike Bittmann
Klinikseelsorgerin

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